Über Wude – die Tugenden der Kampfkünste

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Die Kampfkunsttugend Wude

Gemäß der alten Wushu-Tradition war in China kein wahrer Meister bereit, Schüler in seiner Kampfkunst zu unterweisen – mochten sie auch noch so talentiert sein und fleißig trainieren –, wenn sie nicht bereit waren, zuerst die Kampfkunsttugend Wude

zu verinnerlichen. Der Begriff Wude setzt sich zusammen aus Wushu, den chinesischen Kampfkünsten, und Daode, was mit Tugend oder Moral übersetzt werden kann. Im Lauf der Geschichte wurde versucht, diese Forderung nach moralischer Integrität des Kämpfers auszuformulieren und in Listen abzufassen. Der folgende, heute noch aktuelle Tugendkatalog nennt die bereits zwei Jahrtausende alten konfuzianischen Kardinaltugenden und fügt ihnen den für den Kämpfer unerlässlichen Mut hinzu:

 

Ren: Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, gegenseitige Liebe

Yi: Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit, Urteilen mit dem Herzen

Li: Umgangsformen, Respekt, Höflichkeit

Zhi: Wissen, Verstand, Bildung und Weiterbildung

Xin: Vertrauen, Ehrlichkeit und Offenheit, aufrichtiger Glaube, Halten von Versprechen, Standfestigkeit und Einsatzbereitschaft

Yong: Mut, Tapferkeit, Einstehen für eine Sache.

 

Der Begrüßungsritus – Baoquan li

Die Begrüßung mit Handfläche und Faust, die im Wushu-Training üblich ist, ist Ausdruck des Wude. Sie wird im Chinesischen als Baoquan li bezeichnet, wörtlich „der Ritus der zusammen gehaltenen Faust”. Dieser alte höfliche Begrüßungsritus ist seit jeher unter Kampfkünstlern üblich. Mit ihm wird der Respekt gegenüber der anderen Person ausgedrückt. Die rechte Faust steht für den Ausdruck von Kraft. Sie wird auf das „Herz” der linken Hand gelegt. Bei der Handfläche der linken Hand steht der kleine Finger für Ästhetik, der Ringfinger für Gesundheit, der Mittelfinger für Wissen, der Zeigefinger für Tugend und der geknickte Daumen für Bescheidenheit. Die Hände werden in etwa 20–30 cm Entfernung vor der Brust gehalten. Der Blick ist geradeaus gerichtet, die Augen sind Ausdruck des aufrichtigen Herzens.

© DWF 2017

Was ist Wushu?

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Wushu ist eine traditionelle chinesische Sportart und der Oberbegriff für alle chinesischen Kampfkünste. Der bei uns im Westen gängige Begriff Kungfu (Gongfu) ist in China weniger üblich, da sich Kungfu nicht allein auf die Kampfkünste bezieht, sondern ganz generell eine hervorragende Fertigkeit in etwas bezeichnet.

Wushu hingegen beinhaltet bereits in seiner Zeichendarstellung einen Bezug zum Kampf. Das Zeichen für Wu bedeutet „Kampf“ bzw. „kämpferisch“ und wurde im alten China oft im Zusammenhang mit kriegerischen und militärischen Aktivitäten verwendet. Shu kann mit Kunstfertigkeit, Technik oder Kunst übersetzt werden.

Demnach bezeichnet Wushu die Technik des Kampfes, kurz die Kampfkunst.

Im Laufe der Entwicklung der chinesischen Kampfkünste wurde nicht immer der Begriff Wushu verwendet. In der Frühlings- und Herbstperiode (722–220 v. Chr.) bezeichnete man alle kämpferischen Aktivitäten als Jiji (Kampftechniken). Von der Späteren Han-Dynastie (24–220 n. Chr.) bis zum Ende der Ming-Dynastie (1368–1644) sprach man von Wuyi (die Kunst zu kämpfen). Im 17./18. Jahrhundert, zu Anfang der Qing-Dynastie, griff man auf den Begriff Wushu zurück, der bereits zur Zeit der nördlichen und südlichen Dynastien (420–589 n. Chr.) in den Hofannalen auftauchte. Während der Republikgründung 1911 wurde unter der Guomingdang der Name Guoshu (nationale Kunst) eingeführt, der in Taiwan bis heute erhalten blieb. Tatsächlich war auch Gongfu bereits zu dieser Zeit in südlichen Teilen Chinas ein gängiger Begriff. Seit 1949 verwendet man in der VR-China wieder den Begriff Wushu, der bis heute Oberbegriff für alle chinesischen Kampfkünste und etwa 129 verschiedene Stile ist.

 

Die Ihnalte des Wushu

Die Hauptinhalte des Wushu sind

1. Techniken die ausschließlich dem Kampf und der Selbstverteidigung dienen (Sanshou/Sanda, wörtlich: freie Hand/freier Kampf),

2. Kampftechniken mit oder ohne Waffen, die in Bewegungsabfolgen geübt und dargestellt werden (Taolu yundong), und

3. Methoden, die der Abhärtung des Körpers dienen (Gongfa).

Wushu beinhaltet sowohl Nord- und Südstile, als auch so genannte innere und äußere Stile. Dabei ist eine Trennung von inneren und äußeren Stilen nicht klar gegeben, was in chinesischen Fachkreisen viel Stoff für wissenschaftliche Diskussionen bietet.

Eine Einteilung in „traditionelles Wushu“, „modernes Wushu“ (etwa ab Anfang des 20. Jahrhunderts) und „athletisches Sport-Wushu“ (seit Ende des 20. Jahrhunderts) scheint sinnvoll, um Missverständnissen vorzubeugen, in denen Wushu immer nur allein mit dem athletischen Sport-Wushu in Verbindung gebracht wird.


Wushu – mehr als eine Kampfkunst

Wushu ist nicht nur Kampfkunst, sondern auch eine Methode zur Gesunderhaltung von Körper und Geist. Betont wird im Gegensatz zu den westlichen Sport- und Kampftechniken das Zusammenspiel von Innen und Außen, also von geistigen und körperlichen Techniken. Die chinesischen Kampfkünste erlangten aufgrund ihrer kulturspezifischen Prägung, wie zum Beispiel dem Ganzheitsgedanken, eine Multifunktionalität, die in keiner anderen Kampfkunst zu finden ist. Dies führte dazu, dass sich Wushu im Laufe der Jahrhunderte über das ursprüngliche Ziel der Entwicklung effektiver Kampftechniken hinaus entwickelte, zu einer auf Selbstkultivierung ausgerichteten Lebensweise, in der Gesundheit und Kultivierung beziehungsweise Harmonisierung von Körper und Geist im Mittelpunkt stehen.

© DWF 2017

Internationale Organisation des Wushu

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Die chinesischen Kampfkünste, Wushu, wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in China als Volksschatz und Kulturerbe wieder entdeckt. In den 1950er Jahren wurde daher von der Regierung der Volksrepublik China ein Sportverband gegründet, in dem viele bekannte Wushu-Meister mitwirkten, um einen Kanon von Standardformen und Kategorien der Kampfkünste zu entwickeln. 1985 beschließt die Chinese Wushu Association (CWA), die seit 1958 existiert, eine vorläufige Internationale Wushu Federation unter Aufsicht der State Physical Culture and Sports Commission einzuberufen.
1985 Gründung der European Wushu Federation (EWuF)
in Bologna, Italien. Die ersten europäischen Mitgliedsstaaten waren, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Belgien, die Niederlande, Schweden, Norwegen und Italien. Mittlerweile hat die EWuF ca. 46 Mitgliedsstaaten.
1988 Gründung der Deutschen Wushu Federation (DWF)
1988 Gründung der Asien-Pazifik-Wushu-Federation in Wellington, Neuseeland. Hiermit waren die Voraussetzungen erfüllt, damit sich Wushu als olympische Disziplin bewerben konnte. (auf 4 Kontinenten muss es offizielle Federations geben).
1990 offizielle Gründung der International Wushu Federation (IWUF) in Beijing, nach 5 Jahren Vorbereitungszeit. Ziel war von Anfang an die Anerkennung des Wushu als olympische Disziplin. Seit 1991 richtet die IWUF alle 2 Jahre Wushu-Weltmeisterschaften aus. Bei der 1. Weltmeisterschaft nahmen bereits 40 Länder teil.
Mittlerweile hat die IWUF 148 Mitgliedsstaaten aus allen 5 Kontinenten und ist so zur größten Kampfsportorganisation weltweit angewachsen.
1994 wurde die IWUF in Monaco von der GAISF (General Association of International Sports Federations) als offizielles Mitglied aufgenommen. Die GAISF ist die Dachorganisation aller Sportverbände weltweit. Insgesamt gehören ihr 106 Organisationen an (Stand 2007), darunter Sportfachverbände (wie die IAAF oder die FIFA). Die IWUF besteht aus: Executive Committee, Technical Committee, Traditional Wushu Committee, Medical Committee and Marketing and Development Committee.
Neben der Chinese Wushu Association sind auch die European Wushu Federation (EWuF) und die Deutsche Wushu Federation Mitglieder der International Wushu Federation.
© DWF 2011

Wushu als Gesundheitssport

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 Positive Auswirkungen des Wushu-Trainings

 Wushu…

  • stärkt den ganzen Körper, speziell die Sehnen, Muskeln und Gelenke
  • fördert und reguliert die Funktion der inneren Organe
  • verbessert die Durchblutung
  • vergrößert das Lungenvolumen
  • stärkt die Widerstandskraft
  • erhöht die Ausdauer
  • macht geschmeidig
  • schult die Konzentrationsfähigkeit
  • verbessert die Kommunikation zwischen rechter und linker Gehirnhälfte und steigert die Gehirnaktivität
  • verstärkt die bewusste Wahrnehmung
  • hilft ein starker, zielgerichteter und tugendhafter Mensch zu werden und trägt so zu einer positiven Entwicklung des Charakters bei
  • stärkt das Selbstbewusstsein
  • hilft, sich im Notfall verteidigen zu können
  • bereichert das alltägliche Leben
  • lässt Freundschaften entstehen

Schließlich kann man mit Hilfe eines kontinuierlichen Wushu-Trainings seinen gesundheitlichen Zustand erheblich verbessern. Die Gelenke, Sehnen,  ja der Körper insgesamt werden in großem Maße an Gelenkigkeit, Geschmeidigkeit, Elastizität und Stärke gewinnen. Gleichgewichts-, Energie-, Konzentrations-, Sprung- und Standvermögen werden zunehmen, das Gedächtnis und die richtige Atmung werden geschult und das vegetative Nervensystem wird positiv beeinflusst.

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Wushu als akademisches Fach

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Wushu als akademisches Fach an Sportuniversitäten

– Seit Mitte der 1950er Jahre kann man Wushu als Fach an Universitäten studieren

– Wushu gehört zur Fakultät „Traditionelle volkstümliche Sportarten“ (Chuantong minzu tiyu)

– Seit 1997 kann man im Fach Wushu auch promovieren

 

Aufbau des Studiums:

Bachelor 4 Jahre, Schwerpunkt liegt auf der Praxis (täglich), aber auch Sportphysiologie, Sportpsychologie und marxistische Erziehung stehen auf dem Stundenplan.

Master, + 2 Jahre, vorwiegend theoretisches Studium mit min. 9 Wochenstunden Praxis.

Neben Sportphysiologie, Sportpsychologie & Pädagogik stehen Philosophie und Geschichte auf dem Stundenplan.

PhD, + 3 Jahre, vorwiegend theoretisches Studium mit min. 9 Wochenstunden Praxis.

Philosophische und medizinische Aspekte sowie das eigene Forschungsgebiet stehen im Mittelpunkt.

 

Außerhalb Chinas kann man Wushu nur noch in Südkorea an der Sportuniversität Seoul bis zum Master studieren. Von chinesischer Seite gibt es Bemühungen, Wushu auch an anderen Sportuniversitäten weltweit als Studienfach einzuführen, in Deutschland werden diesbezüglich rege Kontakte mit der Sporthochschule in Köln gepflegt.

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Wushu als Wettkampfsport

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Über viele Jahrhunderte haben sich in China die ausgefallensten Wushu-Techniken entwickelt, die in den letzten Jahrzehnten beliebter Inhalt zahlreicher Hollywood-Actionfilme wurden und von Weltstars wie Jet Li, Jackie Chan, Bruce Lee, Sammy Hung, Chow Yun Fat, Michelle Yeoh, Zhang Ziyi und Lucy Liu ergreifend dargestellt wurden, was dazu führte, dass die Wushu-Begeisterung in Europa seit Jahren zunimmt. Einzigartig im Wushu ist, dass es für alle Altersklassen und Vorlieben passende Stilrichtungen gibt. Wushu ist Breitensport und Wettkampfsport zugleich. Beim Wettkampfsport wurden die traditionellen Wushu-Stile zunehmend durch akrobatische Elemente und eine tänzerisch anmutende Choreographie aufgepeppt. Die Wettkampfwertung funktioniert, ähnlich anderer „ästhetischer Sportarten“ wie z.B. dem Eiskunstlauf, mit einem Punktesystem.

Wettkampfbewertung

Die zunehmende organisatorische Internationalität, insbesondere seit Gründung der IWUF im Jahr 1990, beeinflusste zugleich die Wettkampfkultur des Wushu in unübersehbarer Weise.

Hat man sich früher zunächst in bestimmten traditionellen Stilen gemessen, so wurden nun spezielle Wettkampfformen entwickelt, und seit dem 21. Jahrhundert kamen nun noch Bewegungen mit besonders anspruchsvollem, athletischem und turnerischem Schwierigkeitsgrad (Nandu dongzuo) hinzu.

Im Bereich Taolu (choreographierte Bewegungsabläufe) werden folgende Internationale Wettkampfformen/-Freiformen mit Nandu dongzuo bewertet (gilt für Männer und Frauen)

  1. Changquan (Langfaustform),
  2. Daoshu (Säbelform)
  3. Jianshu (Schwertform)
  4. Nanquan (Südstilform)
  5. Nandao (Südstilform mit Säbel)
  6. Taijiquan, muss von Musik begleitet werden
  7. Taijijian (Taiji-Schwertform), muss von Musik begleitet werden

Folgende Internationale Wettkampfformen/-Freiformen werden bisher ohne Nandu dongzuo bewertet (gilt für Männer und Frauen)

  1. Gunshu (Stockform),
  2. Qiangshu (Speerform),
  3. Nangun (Südstilform mit Stock)

Schließlich wurden auch Partnerübungen mit und ohne Waffen und Sanda (wörtlich freies Kämpfen), ein modernes amorphes Nahkampfsystem, ins Programm aufgenommen.

Der Bewertungsindex im Wettkampf-Reglement veränderte sich wie folgt: Vergaben früher vier Eckschiedsrichter und ein Hauptkampfrichter jeweils maximal zehn Punkte, so wurde nun ein zehnköpfiges Schiedsrichtergremium eingeführt, das mit unterschiedlicher Aufgabenverteilung mit bis zu 5 Punkten die Bewegungsqualität, mit bis zu 3 Punkten Aspekte wie Vorführungsniveau, Kraft, Rhythmus, geistiger Ausdruck und Choreographie und mit bis zu 2 Punkten die Ausführung der „Bewegungen mit speziellem Schwierigkeitsgrad“ bewertet.

Auf den jährlich stattfindenden regionalen und offiziellen deutschen Meisterschaften messen sich die Mitglieder des deutschen Kaders, also die besten Sportler aus ganz Deutschland, in verschiedenen Kampfkunststilen. Dazu gehören die schnellen, kraftvollen Kung Fu Stile ebenso wie die geschmeidigen und eleganten Formen des Taijiquan. Gezeigt werden Bewegungsabläufe (Taolu) traditioneller und moderner Wushu-Formen, teilweise mit akrobatischen Elementen, Stile mit und ohne Waffen, sowie Partner und Gruppendarbietungen. Hierbei handelt es sich nicht um freie Zweikämpfe, sondern um choreographierte Einzel-, Partner- und Gruppenformen. Für den direkten Freikampf zweier Athleten gibt es eine eigene Kategorie innerhalb des Wushu, das Sanda/Sanshou (freier Kampf/freie Hand), bei dem Arme, Beine und der Oberkörper zum Schlagen, Treten und Werfen eingesetzt werden dürfen.

Nationale und internationale Wushu Wettkämpfe außerhalb Asiens etablieren sich zunehmend. Europäische, so auch deutsche Sportler konnten bereits erste Erfolge auf dem noch stark von asiatischen Sportlerinnen und Sportlern dominierten Gebiet erlangen.

© DWF 2017